Gemeinde Daisendorf im Bodenseekreis
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Leitbild

Lokale Agenda Daisendorf

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1. Entstehung und Bedeutung des Leitbildes
Im September 2000 fasste der Daisendorfer Gemeinderat den Grundsatzbeschluss, eine lokale Agenda erarbeiten zu lassen. Hierzu wurde eine offene Arbeitsgruppe aus Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde gebildet, die sich in öffentlichen Sitzungen berät. Die Arbeitsgruppe sollte einen Entwurf für ein Daisendorfer Leitbild verfassen und geeignete Agenda-Projekte vorschlagen.

Das hiermit vorliegende Daisendorfer Leitbild beschreibt, welche Dorfentwicklung die Bürgerinnen und Bürger des Ortes anstreben, um ihre ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Grundbedürfnisse zu befriedigen. Über die Diskussion dieses Leitbildes solle eine gemeinsame Handlungsgrundlage für Politik, Verwaltung und Bürgerinitiativen entwickelt werden.

2. Charakter des Dorfes
Daisendorf ist eine selbständige Gemeinde im Bodenseekreis, 100 bis 150 m über dem See und etwa 2 km davon entfernt. Die Gemeinde hat 1400 Einwohner und hat sich ihren ländlich-dörflichen Charakter weitgehend bewahrt.
Daisendorf ist in erster Linie Wohngemeinde mit wohnortverträglichem Gewerbe. 42% der Gemarkungsfläche sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

Daisendorf ist in die Verwaltungsgemeinschaft Meersburg/Hagnau/Stetten/Daisendorf eingebunden, dies bewirkt enge Verflechtungen, wobei als Schwerpunkte besonders die Schulen in Meersburg, die Kirchen, die Vereine, die Wald- und Landschaftsschutzgebiete und private Kontakte hervorzuheben sind.

Daisendorf verfügt über die für eine Gemeinde derartiger Größe und Herkunft übliche Ausstattung wie Gemeindezentrum, Kindergarten, landwirtschaftliche und Handwerksbetriebe, Dienstleistungsunternehmen und Einkaufsmöglichkeiten der Grundversorgung und des täglichen Bedarfs.

3. Siedlungs- und Landschaftsentwicklung
Daisendorf besitzt eine hohe Erholungs-, Freizeit- und Umweltqualität, die es mit den Nachbargemeinden zu erhalten und zu verbessern gilt. Die günstigen Wohnstandortbedingungen sind zu sichern und bei einer weiteren Siedlungsentwicklung flächensparend, orts- und landschaftsgerecht zu nutzen. Dabei soll die Ausweisung von Neubaugebieten zu Gunsten der Schließung von Baulücken zurückgestellt werden, um Zersiedelung und Ausuferung zu vermeiden.

Für die Ausbreitung von Gewerbe steht nur eine sehr eng begrenzte Fläche eines eingeschränkten Gewerbegebietes oder von Mischgebieten zur Verfügung. Ein zusätzliches Gewerbegebiet soll nicht ausgewiesen werden.

Die für Erholung, Freizeit und Fremdenverkehr bestehenden Freiräume sollen in ihrer landwirtschaftlichen Attraktivität bewahrt und im Freizeit- und Erholungswert verbessert werden. Dabei ist darauf zu achten, dass auch der natürliche Charakter von Ort und Gemarkung erhalten bleibt.

4. Umwelt und Natur
Zum Schutz von Umwelt und Natur ist ein umweltbewusstes Handeln der Bürgerinnen und Bürger sowie ihrer Gäste unabdingbar.

Die Naturlandschaft ist in ihrer Vielfalt und Eigenart zu schützen. Dabei muss besonderes Augenmerk auf den Neuweiher und seine Umgebung gerichtet werden. Es gilt dessen Wasserqualität zu verbessern sowie seine Tier- und Pflanzenwelt zu bewahren. Der überdurchschnittliche Waldanteil an der Gemarkungsfläche macht eine besonders nachhaltige und pflegliche Waldbewirtschaftung durch alle Waldbesitzer notwendig.

Durch Energiesparmaßnahmen und Einsatz umweltfreundlicher/alternativer Energien sollen Energievorräte geschont und dabei die Umweltbelastung sowohl durch Betriebe als auch durch Privathaushalte gemindert werden.

Außerdem sollen Anstrengungen unternommen werden, die Belastung der Umwelt durch Abfall weiter zu verringern und das Regenwasser besser zu nutzen.

5. Wohnen
Die Grundversorgung der Einwohner und ihrer Gäste mit Waren und Dienstleistungen des täglichen und häufig wiederkehrenden Bedarfs muss im Ort erhalten bleiben.

Der öffentliche Nahverkehr ist so zu verbessern, dass mit ihm die Arbeitsplätze in der Umgebung sowie Bildungs- und Versorgungsangebote erreicht werden können. Außerdem ist Daisendorf in das Fahrradewegenetz des Bodenseekreises einzubinden.

Die Wohn- und Umweltqualität des Ortes muss durch Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und Verkehrsreduzierung geschützt werden. Insbesondere soll die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h im ganzen Ort erhalten bleiben; mit Ausnahme der Verbindungsstraße Meersburg - Mühlhofen (K7783). Die Einhaltung dieser Geschwindigkeitsbegrenzung ist durch entsprechende Maßnahmen sicherzustellen.

6. Arbeit und Wirtschaft
Daisendorfs Einwohner haben ihre Arbeitsplätze vorwiegend in Betrieben umliegender Orte.

Arbeit und Wirtschaft im Ort sollen sich im Einklang mit dem ländlichen Charakter des Dorfes und seiner Umgebung fortentwickeln. Dieses ist insbesondere mit neuen Unternehmen möglich, deren Geschäftsinhalte auf den Einsatz neuer Medien- und Informationstechniken fußen. Hierzu gehören wissensintensive Arbeitsleistungen wie Softwareentwicklung, Ingenieurdienstleistungen und Industrieberatung als auch Handel mit Hilfe des Internet.

Die Landwirtschaft ist in ihrer Vielfalt vor dem Hintergrund der Landschaftspflege zu unterstützen. Dabei haben Pflege und Erhalt von Streuobstwiesen eine besondere Bedeutung, deren Bäume wichtige und natürliche Landschaftselemente darstellen.

Durch eine intakte Kulturlandschaft, ein attraktives Dorfbild und gastfreundliche Bürger soll Daisendorf weiterhin ein beliebtes Ziel für Feriengäste bilden. Die Weiterentwicklung des Tourismus im Einklang mit dem Daisendorfer Leitbild obliegt dem Fremdenverkehrsverein in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung.

7. Kultur
Kunst und Kultur und Bildung sollen in der Gemeinde gefördert werden. Dabei sind auch Anstrengungen zu unternehmen, den Bürgerinnen und Bürgern diesbezügliche herausragende Angebote in der näheren und weiteren Umgebung zugänglich zu machen.

Die Beschäftigung mit der Geschichte des Ortes und die Erhaltung des örtlichen Brauchtums sind besonders zu fördern.

8. Menschliches Zusammenleben
Es ist auf eine tragfähige Sozialstruktur im Ort hinzuwirken, wobei auf die Verbesserung der Lebenssituation von Hilfsbedürftigen zu achten ist.

Das Ehrenamt ist und bleibt tragende Säule für die Gestaltung des menschlichen Zusammenlebens in der Gemeinde. Dabei kommt dem Engagement von Bürgerinnen und Bürgern in den Vereinen und anderen gemeinnützigen Initiativen eine besondere Bedeutung zu. Zur Unterstützung des bürgerlichen Engagements werden kommunale Anlaufstellen geschaffen, welche Bürgerinitiativen fördern und unterstützen.

Das Beziehungsgefüge zwischen Verwaltung und Bürgern ist zu verbessern. Anstehende wichtige Entscheidungen sind nicht nur rechtzeitig bekannt zu machen, sondern es muss auch erreicht werden, dass die Handlungsalternativen im Vorfeld zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und der Verwaltung ausreichend diskutiert werden.

9. Kommunikation
Die persönlichen Kontakte zwischen alteingesessenen und neu zugezogenen Bürgern als auch zwischen den Generationen sind zu verbessern und zu intensivieren.

Zur Förderung der lokalen und globalen Kommunikation sollen die Bürgerinnen und Bürger mit den neuen Medien vertraut gemacht werden. Die damit verbundenen Dienstleistungen dürfen nicht nur über kommerzielle Anbieter verfügbar sein, sondern müssen auch vor Ort in Bürgerbüros usw. erreicht werden können.

10. Umsetzung des Leitbildes
Die Basis für die Umsetzung des Leitbildes bildet eine Grundsatzbeschluss des Gemeinderates, in welchem er sich zum Leitbild bekennt und die Umsetzung beschließt. Der Gemeinderat wird bei der Umsetzung des Leitbildes von den Bürgerinnen und Bürgern unterstützt, insbesondere von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Lokalen Agenda Daisendorf.

Die Umsetzung des Daisendorfer Leitbildes soll durch entsprechende Projekte wirkungsvoll unterstützt werden. Hierzu haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lokalen Agenda Projektvorschläge ausgearbeitet, welche in dem Dokument "Daisendorfer Lokale Agenda, Projektplanungen 2001" festgehalten sind.

Jeweils zum Beginn eines Kalenderjahres veröffentlicht die Gemeindeverwaltung einen Bericht, in welchem Maße das Daisendorfer Leitbild inzwischen durch Gemeinderat, Verwaltung sowie Bürgerinnen und Bürger umgesetzt wurde. Dieser Bericht soll auch den Stand der laufenden Projekte sowie Informationen über den Start neuer Projekte enthalten.

Daisendorf, 12. Juni 2001

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